Im Internationalen Frauenturnier verlief es am heutigen Turniertag sehr ruhig. Klaudia Kulon wählte gegen Natalia Buksa, die am Vortag eine scharfe Najdorf-Partie gewinnen konnte, die solide Russische Verteidigung. Kulon ließ wie am Vortag mit Schwarz nichts anbrennen und tauschte sich mit Buksa recht zügig in ein Springerendspiel ab, in dem man sich auf Remis einigte.
Für beide Spielerinnen ist das kein schlechtes Ergebnis. Kulon wird in den nächsten vier Partien dreimal Weiß haben, und Buksa führt das Feld weiterhin mit einem halben Punkt Vorsprung an. Denn auch in der Paarung zwischen Song Yuxin und Dinara Wagner fand man den Weg zur Punktteilung. In einer recht lebhaften Stellung entschied sich Yuxin, einer Zugwiederholung zuzustimmen, was selbst die deutsche Nationalspielerin ein wenig überraschte:
„Ich bin zufrieden mit dem Remis. Ich hatte das Gefühl, dass sie statt der Zugwiederholung durchaus noch Ideen hatte, zum Beispiel mit Sf5 weiterzuspielen. Also war das für mich in Ordnung.“
Tatsächlich hätte der vorgeschlagene Zug zu einer leicht besseren Stellung für Yuxin geführt, doch sie schien es nach der gestrigen Niederlage vorsichtiger angehen zu wollen.
Morgen wird es hingegen garantiert spannender. Die Damen spielen im Deutschen Fußballmuseum ihren Blitz-Tiebreak für das Turnier aus. Die Partien lassen sich ab 18:45 Uhr online verfolgen – oder, noch besser, vor Ort, denn der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos.
A-Open
Im A-Open wird es zunehmend enger an der Spitze. Nach der dritten Runde gibt es nur noch sieben Spieler, die mit einem perfekten Ergebnis von 3/3 dastehen. Dies ist nicht zuletzt einigen kuriosen Partieverläufen geschuldet.
Am Spitzenbrett entfernte GM Pavlovic in einem missglückten Manövrierversuch zwei Verteidiger von einem Bauern, den Matthias Blübaum daraufhin folgenlos schlagen konnte. Pavlovic gab die Partie direkt auf.
Ein noch größeres Geschenk erhielt der junge FM Luka Schwitkowski am neunten Brett von dem chinesischen IM Kaifan Xie. Xie ließ völlig untypisch bereits im elften Zug eine Gabel zu, die ihn eine ganze Figur kosten sollte. Schwitkowski nahm den Springer dankend an und konnte sich neben dem Preis für die Partie des Tages auch über einen sehr leichten Punkt freuen.
Fortuna gänzlich ausgereizt hat allerdings der polnische Großmeister Kacper Piorun. Piorun verzauberte sich im Angriff gegen den kirgisischen FM Bayastan Sydykov. Nachdem er bereits Bauer und Qualität ins Geschäft gesteckt hatte, erreichte er sein gewünschtes Mattnetz, welches jedoch überhaupt keins war. Bayastan hätte die Drohungen Pioruns durch eine Umgruppierung des Läufers leicht verhindern können, fand jedoch die entscheidende Ressource nicht. So gab sich der FIDE-Meister in einer „Gewinnstellung“ laut Engine geschlagen. In der Verfolgergruppe mit 2,5 Punkten sind die Mitfavoriten David Navara, Surya Ganguly, Raja Rithvik, Elham Amar und auch Rasmus Svane, der heute in einem Turmendspiel am Ende sogar Glück hatte, dass er den halben Punkt ergatterte. Auch der Überraschungssieger von 2024, IM Nico Zwirs, steht bei 2,5 Punkten, sodass es in der Verfolgergruppe in Runde 4 zu vielen hochkarätigen Duellen kommt.
Runde 4 beginnt dann am Dienstag, ab 15 Uhr. Durch die parallele Abendveranstaltung im Fußballmuseum ausnahmsweise ohne Livestream mit Kommentator GM Artur Jussupow (Foto).
