Dank des Remis am ersten Brett nutzten Elham Amar und Felix Xie (Foto Weiß gegen Navara) ihre Chance, sich an die Tabellenspitze zu setzen. Auch der Vorjahreszweite ist endgültig zurück im Titelrennen.
Matthias Blübaum hatte sich sicherlich vorgenommen, mit Schwarz gegen seinen jungen Kontrahenten Mykola Korchynskyi auf Gewinn zu spielen. Er wählte die Halbslawisch-Zugfolge, mit der Javokhir Sindarov im Kandidatenturnier gegen Hikaru Nakamura erfolgreich gewesen war. Korchynskyi vermied jedoch die scharfen Varianten, die nach einem Bauernopfer hätten entstehen können, und schob möglichen Komplikationen früh einen Riegel vor. Die Damen wurden bereits im frühen Mittelspiel getauscht, und Blübaum sah keinen Anlass, die Partie weiterzuspielen. Er bot Remis an, das Korchynskyi annahm. Ein Erfolg für den Spieler des SK Erkenschwick, der sich damit weiterhin hervorragende Chancen auf eine GM-Norm bewahrt.
In der Partie zwischen Kacper Piorun und Yu Tian Poh am dritten Brett blieb das große Feuerwerk ebenfalls aus. Zwar dauerte die Begegnung ein gutes Dutzend Züge länger als die Partie am Spitzenbrett, doch einen nennenswerten Vorteil konnte sich keiner der beiden Spieler erarbeiten. Piorun sah sich aufgrund der aktiven Figuren Pohs gezwungen, dessen Bauernschwäche aufzulösen, woraufhin die Partie wenig später mit einem Remis endete.
So konnten GM Elham Amar (Foto) und IM Felix Xie mit ihren Siegen an der Konkurrenz vorbeiziehen. Für den norwegischen Großmeister sah die Lage am zweiten Brett gegen IM Amilal
Munkhdalai zwischenzeitlich alles andere als klar aus. Munkhdalai opferte eine Qualität, um seinen Läufer auf g7 zu aktivieren, der erheblichen Druck gegen Amars lang rochierten König entwickelte. Die Stellung wirkte gefährlich für den Großmeister, doch in beiderseitiger Zeitnot verlor Munkhdalai den Faden. Amar konnte eine Figur gewinnen und die Partie schließlich für sich entscheiden.
Xie traf derweil auf die tschechische Schachlegende GM David Navara. Navara versuchte sich mit den schwarzen Steinen an einem unorthodoxen Aufbau, um den jungen Neuseeländer möglicherweise in unbekanntes Terrain zu locken. Doch Xie ließ sich davon nicht beeindrucken und bestrafte Navaras kreativen Ansatz konsequent. Schritt für Schritt öffnete er den Königsflügel seines Gegners und ließ dem Großmeister praktisch keine Möglichkeit zum Gegenspiel. Als Xie schließlich im Begriff war, forciert eine Figur zu gewinnen, gab sich Navara geschlagen.
Seine Chance nutzen konnte auch der Vorjahreszweite Surya Ganguly. Der indische Großmeister erwischte keinen guten Start in das Turnier, konnte sich mit seinem Sieg gegen das deutsche Talent Hussain Besou jedoch wieder in Schlagdistanz zur Spitze bringen. Ganguly erspielte sich früh eine aussichtsreiche Stellung mit Raumvorteil gegen den jungen Lippstädter und konnte nach einer Ungenauigkeit Besous seine Figuren gewinnbringend zum Angriff führen. So liegt Ganguly mit 5,5/7 nur einen halben Punkt hinter Amar und Xie. Ebenfalls bei 5,5 Punkten und damit dicht hinter der Spitze liegen die beiden mongolischen Internationalen Meister Sumiya Chinguun und Uurtsaikh Agibileg. Die große Reisegruppe des Nationalkaders aus der Mongolei ist also gut im Rennen!
Für die beiden deutschen Nationalmannschaftsspieler Dmitrij Kollars und Rasmus Svane war es hingegen ein enttäuschender Tag. Beide kamen, wie bereits häufig in diesem Jahr, nicht über ein Unentschieden gegen ihre nominell schwächer eingestuften Gegner hinaus und stehen bei 5 (Kollars) bzw. 4,5 (Svane) Punkten aus 7 Partien.
