Wenn man eines an diesen Dortmunder Schachtagen feststellen kann, dann, dass es an kuriosen Partien nicht mangelt. Die vielleicht verrückteste Partie des bisherigen Turniers wurde heute am zweiten Brett des B-Opens gespielt.
Max Pick vom SK Kerpen 64 riss früh in der Partie gegen Vincent Bouquillion alle Brücken hinter sich ein. In einer spektakulären Zugfolge opferte Pick beide Türme für einen gewaltigen Angriff auf den französischen Spieler. Nach einigen Ungenauigkeiten Picks gelang es Bouquillion jedoch, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sogar die Oberhand zu gewinnen, als sein Gegner einen Läufer zu viel opferte.
Die Stellung blieb jedoch für beide Seiten äußerst kompliziert, und die Spieler wickelten in ein Endspiel mit einer ungewöhnlichen Materialverteilung ab: zwei Springer und sechs Bauern gegen zwei Springer, einen Turm und zwei Bauern. Dieses Endspiel hielt Irrungen und Wirrungen bereit, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Springer, Türme und Bauern wurden eingestellt, eine Stellungswiederholung wurde nicht reklamiert und selbst der Engine-Balken wusste irgendwann nicht mehr, was eigentlich los war.
Dazu trug auch bei, dass Pick über mehr als 40 Züge ausschließlich vom Zeitzuschlag lebte. Als schließlich auch Bouquillion in Zeitnot geriet, sollte sich die Partie entscheiden. Gerade als alles auf ein Remis hinauszulaufen schien, griff der Franzose im allerletzten Moment noch fehl und verlor eine Partie, die eine Punkteteilung durchaus verdient gehabt hätte.
So ist Max Pick einer von fünf Spielern im B-Open, die bislang alle vier Partien gewinnen konnten. Morgen bekommt er es mit dem einzigen FIDE-Meister im Feld, Milan Kandic, zu tun. Kandic setzte sich heute souverän im Endspiel gegen Paolo Becciu durch. Auch Dr. Martin Werner konnte seine Partie am ersten Brett gewinnen und trifft morgen auf Vu Trung Nguyen Hoa vom SC Hansa Dortmund. Der fünfte Spieler mit makelloser Bilanz, David Belka, spielt gegen den topgesetzten Tim Geweniger, der mit 3,5 aus 4 Punkten dicht hinter der Spitzengruppe liegt. Zur Verfolgergruppe mit einem halben Punkt Rückstand gehört außerdem auch der Sieger von 2024, Oleksandr Kasapchuk.
