Josefine Heinemann spricht das aus, was aufgrund der Corona-Krise viele momentan denken, die mit der Sparkassen Chess Trophy zu tun haben: "Hoffentlich findet es statt". Die Damengroßmeisterin ist eine von sechs Meisterspielerinnen, die sich für das Traditionsturnier im Ruhrgebiet angemeldet haben. Genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Szene muss sie sich momentan in Geduld üben. Nicht nur bezüglich ihrer schachlichen Verpflichtungen, sondern auch bezüglich der alltäglichen Dinge. Wir sprachen mit ihr u.a. über ihre Lage in Mannheim. Dort studiert die 22-jährige Bundesligaspielerin des SC Viernheim Wirtschaftsmathematik.

Das öffentliche Leben verlangsamt sich gerade in Europa in einem für fast alle Menschen nie erlebten Ausmaß.Für viele Schachspieler und Schachspielerinnen bedeutet das plötzlich...viel, viel Zeit. Wie sich das für Heinemann ausdrückt, erläutert sie im Folgenden:

"Für mich hat sich einiges geändert. Durch die Absage aller Schachturniere bzw. Ligaspiele habe ich deutlich mehr Zeit als vorher. Zudem gibt es in der Uni keine Präsenzveranstaltungen mehr und online funktioniert das alles noch nicht so, wie sich die Leute das vorstellen. Aber ich bin sicher, dass in den nächsten Tage ein bisschen mehr Routine einkehren und zumindest der Unialltag mehr oder weniger erhalten bleiben wird. Schade finde ich es natürlich, dass überhaupt keine schachlichen Wettkämpfe mehr anstehen in nächster Zeit, aber das ist nicht zu ändern und wir müssen alle das beste daraus machen..."

Wer Heinemann näher kennt, weiß, dass sie sehr gerne Schach spielt, aber auch gerne Schach live verfolgt. Da kommt es gerade recht, dass das Kandidatenturnier in Jekaterinburg begonnen hat. Das nach der Weltmeisterschaft bedeutendste Turnier der Schachwelt läuft bis zum 03. April und vertreibt zumindest den Schachfans ein wenig die aufkommende Langeweile. Heinemann hegt keine Präferenzen, traut aber nur Fabiano Caruana und Ding Liren den Sieg zu. "Letztendlich hoffe ich aber auf viele interessante und lehrreiche Partien und dass der beste Spieler gewinnt."


Josefine Heinemann beim GRENKE Chess Open 2018 | Foto: Georgios Souleidis

Ihre eigene schachliche Laufbahn gleicht in den letzten Jahren einer Achterbahnfahrt. Die eher schlechten Ergebnisse lassen wir aber mal außen vor. Bei der U18-WM im Jahr 2015 belegte sie einen bärenstarken 5. Platz und erkämpfte sich nach und nach einen Platz in der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft, bevor sie sich 2018 beim German Masters der Frauen die dritte WGM-Norm sicherte und kurze Zeit später zur Damengroßmeisterin ernannt wurde. Seit 2019 ging es weiter Auf und Ab. Sie erreichte ihre bisher höchste Elo-Zahl im November 2019 mit 2332, verlor aber wieder einige Punkte und liegt aktuell bei 2281. Trotzdem glaubt sie an sich und formuliert ehrgeizige Ziele:

"Seit dem Beginn meines Studiums ging es mit meiner schachlichen Entwicklung nicht so voran, wie ich es gerne gehabt hätte, aber ich arbeite natürlich weiter daran und möchte mich auch noch verbessern. Ich denke mein nächstes Ziel ist es die 2400 zu erreichen. Aber natürlich würde ich auch gern mal wieder für die Nationalmannschaft spielen, nachdem ich zuletzt 2017 für Deutschland antrat."

Falls sie so angreift wie in der folgenden Partie, die sie selbst kommentierte, wird es nur eine Frage der Zeit sein.

Text: Georgios Souleidis

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