Noch wird Luis Engel in der Elo-Liste als Internationaler Meister geführt, doch das wird sich spätestens ab Anfang April ändern, wenn die monatlichen Auswertungen in die Bewertungen einfließen werden. Bei der aktuell laufenden FIDE-Generalversammlung in Abu Dhabi gehört er zu den Spielern, die der Weltschachverband erwartungsgemäß zum Großmeister ernannte. Neben dem zwei Jahre jüngeren Vincent Keymer ist der 17-jährige Hamburger zweifellos das größte deutsche Schachtalent und wird im Sommer sein Können auch bei der Sparkassen Chess Trophy unter Beweis stellen.

Momentan ist Engel mit seinen bevorstehenden Abiturprüfungen beschäftigt. "Es sieht sehr gut aus", lässt er sich entlocken, womit er eine Eins vor dem Komma meint, die er im Schnitt erwartet. Für sein geplantes Jura-Studium ist das von untergeordneter Bedeutung, doch es zeigt, dass Engel wie mit den meisten Gegnern am Schachbrett auch mit den schulischen Anforderungen kaum Probleme hat.

Eine wichtige Frage, die ihn in diesem Zusammenhang beschäftigt, ist, ob er sich vor dem Studium noch ein Jahr intensiv dem königlichen Spiel widmen wird: "Ich weiß noch nicht genau, ob ich sofort nach dem Abi mit dem Studium anfangen will, oder ob ich erst noch ein Schachjahr einlege." Im Gegensatz zu seinen vielen rationalen Zügen am Brett wird es wohl eine "Bauchentscheidung" im letzten Moment werden.

Ein "Schachjahr" würde ihn seinem nächsten Ziel defnitiv schnell näherbringen, den er nach dem Erhalt des GM-Titels anpeilt: "Jetzt, wo ich den Titel schon erreicht habe, wäre das Erreichen von 2600 mein nächstes Ziel. Außerdem hoffe ich, dieses Jahr bei der Jugend-WM U18 vielleicht eine Medaille zu gewinnen."


Luis Engel im Einsatz für den Hamburger SK in der Schachbundesliga | Foto: Georgios Souleidis

Dass er das Zeug hat, bei der U18-WM eine Medaille zu gewinnen, steht außer Frage. In der Junioren-Weltrangliste, die ein gewisser Alireza Firouzja mit einer Elo-Zahl von 2728 anführt, ist er die Nr. 35 - im Vergleich dazu nimmt Keymer die Position 26 ein. Viel interessanter ist aber seine Platzierung innerhalb seines Jahrgangs 2002, da viel maßgeblicher für die U18-WM. Hier ist er nämlich die Nr. 6 der Welt!

Luis, der wie sein Zwillingsbruder Robert in seiner Freizeit begeistert Fußball spielt, zeigte mit zahlreichen Siegen gegen starke Großmeister, dass das primäre Ziel - das Erreichen von 2600 - ebenfalls absolut realistisch ist. Ein handfester Beweis war in der Saison 2018/19 die Wahnsinnsperformance von 2806 in der Schachbundesliga für seinen Heimatverein Hamburger SK.

In der laufenden Saison sorgte er abermals für Furore, als er den lettischen Großmeister Igor Kovalenko, der bei der Sparkassen Chess Trophy auch am Start sein wird, nach allen Regeln der Kunst auskonterte. Diese Partie analysiert ihr Autor im folgenden Video.

Text: Georgios Souleidis

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.